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Ein Auszug aus der Festschrift zum 75jährigen bestehen des Schützenvereins.

DAS GRÜNDUNGSJAHR UND DIE INFLATIONSZEIT 1921-1923


Wie seit alten Zeiten Grafenwald zu Kirchhellen gehörte, so nahmen auch die Bewohner Grafenwalds an den kirchlichen und weltlichen Festen in Kirchhellen teil. Auch an den
Allgemeinen Bürgerschützenfesten, welche alle 4 bis 5 Jahre in Kirchhellen gefeiert wurden, beteiligten sich die Bewohner Grafenwalds sehr rege. Als aber im Laufe der Zeit die Einwohnerschaft in Grafenwald größer wurde und Grafenwald im Jahre 1900 eine eigene Kirche erhielt, änderte sich die Sache schon etwas. Die Grafenwälder beteiligten sich zwar noch an den Schützenfesten in Kirchhellen, aber man hörte doch von Jahr zu Jahr mehr Stimmen, welche darauf drangen, dass auch in Grafenwald selbst ein Schützenfest gefeiert werden könnte. Der Plan, welcher an allen Ecken der Kirchengemeinde auftauchte, nämlich einen Schützenverein in Grafenwald zu gründen, wäre ja wohl bald in Erfüllung gegangen, wenn der fürchterliche 1. Weltkrieg nicht dazwischen getreten wäre. Die Gründung des Vereins kam erst in Fluss, als im Jahre 1921 der Bergmann Wilhelm Duckheim die Sache energisch in die Hand nahm, die Vorarbeiten traf und am 21. September 1921 im Saale des Wirtes Buschler, Grafenwald, eine Gründungsversammlung einberief. Zu dieser Versammlung hatten sich die Einwohner Grafenwalds zahlreich eingefunden. Der Plan, einen Schützenverein zu gründen, wurde freudig begrüßt. Es wurden sofort alle Vorbereitungen getroffen und auch sogleich ein Vorstand gewählt. Als um diese Zeit die Inflation sich schon recht fühlbar bemerkbar macht und bei der gewaltigen Geldentwertung die Mittel äußerst knapp waren, erwies sich so recht die Begeisterung für den Verein, der es zustande brachte, dass schon nach zwei Monaten die Mittel zur Anschaffung vorhanden waren. Die Herstellung der Schützenfahne wurde dem Kunstmaler Max Albers, Bottrop-Eigen, übertragen, der die prächtige Fahne zum Preise von 4.300 Mark in Handarbeit herstellte.

Am Sonntag, dem 27. November 1921, trat der Verein, nachdem Pfarrer Vissing eine kurze Andacht gehalten hatte, zum ersten Mal an die Öffentlichkeit und marschierte in geschlossenem Zuge mit Musik (16 Mann) zum Lokal des Schützen Bornemann (heute Grillstation Ecke Hegestraße/B 223) um die Fahne, welche dort ausgehängt war, in Empfang zu nehmen. Am 18. Juni 1922 wurde in der Versammlung der Vorschlag gemacht, eine Königskette zu beschaffen und diese aus Silbermünzen herstellen zu lassen. Zu dieser Zeit, wo man mit Papiergeld überflutet war und kaum noch Silbermünzen kannte, war es äußerst schwer, soviel Silbermünzen aufzutreiben, um eine Königskette herzustellen. Nach einem Aufruf an die Schützenbrüder stellten diese bereitwilligst ihre letzten Silbermünzen dem Verein zur Verfügung. Die gespendeten Münzen wurden vom Goldschmied Friedrich Tesnow, Sterkrade, kunstvoll zur Königskette zusammengefügt. Die Fahnenweihe fand am 1. Schützenfesttag, dem 22. Juli 1922, statt.

Nach gemeinsamen Kirchgang am Morgen traten am Nachmittag die Schützen geschlossen zur Fahnenweihe an. Die Weihe wurde vorgenommen von Herrn Amtmann Apfelstaed, der dabei eine schwungvolle Ansprache hielt. Auch Herr Pfarrer Vissing hielt eine zündende Rede. An dieser Feier nahm auch der Schützenverein Königshardt mit einer Abordnung teil.

Im Jahre 1923 konnte der Verein infolge der Inflation und der Besatzung nicht so recht an die Öffentlichkeit treten, doch fanden ein paar lokale Ausflüge statt, wo die Frauen bei Kaffee und Kuchen und die Männer beim Bier einige frohe Stunden verlebten. Im Laufe des Jahres 1923 wurden weitere Mitglieder aufgenommen. Je Mitglied mussten 500.000 Mark als Eintrittsgeld gezahlt werden. Wegen der immer weiter fortschreitenden Inflation (Inflationszeit von 1919 bis 1923) beschloss die Generalversammlung am 9.9.1923, dass ab 1.9.1923 jeden vierten Sonntag im Monat ein Beitrag in die Größe eines
Kruges Bier einkassiert werden soll. In dieser Sitzung wurde dem Vorstand des Vereins das Recht eingeräumt, das Vermögen der Kasse wertbeständig anzulegen. In der Vorstandssitzung am 7.10.1923 wurde daher folgender Beschluss gefasst: Am 7. 10. 1923 wurde vereinbart, 691 Million Mark zum Ankauf von 1 Zentner Roggen wertbeständig bei Johann Dickmann, Grafenwald, anzulegen. Es wurde eine Kursnotierung vom 4. 10. 1923 angenommen, welche lautet: Roggen märkischer 689 bis 710 Million. Bei Rückkauf verpflichtet sich Dickmann, auch den Mindestkurs zu berechnen, welchen der Vorstand beschließt.“ Im Oktober des Jahres 1923 hatte die Inflation ihren Höhepunkt erreicht. Z.B. entsprach zu diesem Zeitpunkt 1 Dollar= 4,2 Billionen Mark. Durch die Rentenmark, die im Oktober 1923 eingeführt wurde und die als Zwischenwährung galt, wurde die Inflationszeit beendet.

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Geschichtliches vom Schützenverein

Die Gründung:

Dem Einsatz von Wilhelm Duckheim ist es zu verdanken das es am 21.09.1921 im Saale des Wirtes Heinrich Buschler zur Gründungsversammlung des Schützenvereins Grafenwald kam.

Als Zweck des Vereins wurde festgelegt:

Das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit,
sowie den Gemeinsinn zu hegen und zu pflegen,
Die Eintracht in der Bürgerschaft zu fördern und zu festigen.


Noch im Gründungsjahr wurde eine Vereinsfahne angeschafft.

Im Juli 1922 fand das 1. Schützenfest statt.

Obwohl im Land Inflation herrschte konnte eine Königskette in Auftrag gegeben werden, durch die Spendenfreudigkeit der Grafenwälder.

Ab 1935 war Pause (2. Weltkrieg) von 1951 an gab es alle 2- 3 Jahre Schützenfeste.

1961 wurde dem Schützenfest ein Kinderschützenfest angehängt.

Die jungen Schützen gingen mit Knüppeln einem aus Teig gebackenen Vogel der an einer Stange befestigt war zu Leibe und ermittelten einen König und der wiederum seine Königin.

Nach diesem großen Ereignis gab es für das Kinderschützenpaar einen Umzug durch Grafenwald.

1985 gab es das Kinderschützenfest zum letzten mal.

Nach Einstellung des Kinderschützenfestes kam und kommt der Nikolaus jedes Jahr zu den Schützenkindern.

Martinsumzüge gibt es seit 1958 in Grafenwald und wird gestaltet vom Schützenverein und der Blaskapelle Grafenwald.

Sowie durch große Beteiligung der Grafenwälder Bevölkerung

Zusammengestellt von Brigitte Vögeling

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